KFS-Weihnachtssendung 2018
Kollegsfernsehen (KFS) - das außergewöhnliche Medienprojekt am Kolleg St. Blasien, das Einblicke in die Kollegswelt bietet. Beiträge der KFS-Weihnachtssendung 2018: Feuerwehrübung am Kolleg, Tanzkursabschlussball, Segel-AG, Interview mit Altkollegianer Ferdiand von Schirach.
Das Kollegsfernsehen (KFS) ist ein medienpĂ€dagogisches Angebot am Kolleg St. Blasien, das aktive und kreative Medienarbeit mit digitalen Kommunikationstechniken ermöglichen soll. Es wurde 1981 ins Leben gerufen und ist eines der ersten SchĂŒlerfernsehen in Deutschland. Ziel ist die Vermittlung von Medien- und Sozialkompetenzen. Die KFS-Redaktionsgruppe wird von zwei Mentoren begleitet und besteht aus SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern, die die Klassen 9-12 am Kolleg besuchen. Die KFS-Leitung, die von SchĂŒlern ĂŒbernommen wird, setzt sich aus einem Chefredakteur, technischen Leiter, Kamera- und Drohnenbeauftragten zusammen.

Grußwort

Eine Schule ist ein ebenso lebendiges und vielfĂ€ltiges wie komplexes Gebilde. Das Schulleben findet auf sehr vielen verschiedenen Ebenen zugleich statt: Vom Keller bis zum Speicher, vom Sportplatz bis zum Theatersaal, von der ersten bis zur neunten, zehnten oder zwölften Klasse, auf dem Pausenhof ebenso wie im Lehrerzimmer oder in der Mensa, im Unterricht, im EinzelgesprĂ€ch, beim Elternabend. Und wenn es sich um eine Internatsschule handelt, natĂŒrlich auf noch viel mehr Ebenen und in noch ga...

Grußwort

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Wo Begegnung sichtbar, Leben spĂŒrbar, Stimmen hörbar gemacht werden:‹SchĂŒlerfernsehen als vibrierendes Resonanzmedium

Eine Schule ist ein ebenso lebendiges und vielfĂ€ltiges wie komplexes Gebilde. Das Schulleben findet auf sehr vielen verschiedenen Ebenen zugleich statt: Vom Keller bis zum Speicher, vom Sportplatz bis zum Theatersaal, von der ersten bis zur neunten, zehnten oder zwölften Klasse, auf dem Pausenhof ebenso wie im Lehrerzimmer oder in der Mensa, im Unterricht, im EinzelgesprĂ€ch, beim Elternabend. Und wenn es sich um eine Internatsschule handelt, natĂŒrlich auf noch viel mehr Ebenen und in noch ganz anderen RĂ€umen. Im gĂŒnstigen Falle werden alle diese RĂ€ume und SphĂ€ren zu ResonanzrĂ€umen, zu RĂ€umen der Begegnung, in denen junge (und alte) Menschen nicht nur miteinander ins GesprĂ€ch kommen, sich berĂŒhren, sich irritieren, verwandeln, und manchmal auch streiten, sondern in denen sie auch berĂŒhrt und bewegt, manchmal aber auch abgetörnt oder gelangweilt werden von Dingen aller Art: Von Pflanzen und Tieren, von Sternen und WĂŒsten, von religiösen und politischen Ideen, von sportlichen WettkĂ€mpfen oder musikalischen Exkursionen usw. Resonanz meint dabei durchaus nicht einfach Harmonie und Wohlgefallen, sondern meint intensive Erfahrung, die Begegnung mit Anderen und Anderem, die berĂŒhrt, bewegt, irritiert und dabei verwandelt und transformiert, oftmals in Richtungen und mit Ergebnissen, die niemand vorhergesagt hĂ€tte.

Die Einrichtung eines SchĂŒlerfernsehens kann ein ĂŒberaus wirkungsvolles Instrument dafĂŒr sein, dieses lebendige Mikrouniversum, den Resonanzraum Schule in seiner Vielfalt ebenso wie in seiner Gesamtheit sichtbar und hörbar und das Leben in ihm spĂŒrbar werden zu lassen. Mehr noch: Indem SchĂŒlern und Lehrern und vielleicht auch Eltern und Geschwistern dieses Leben in Bildern und Tönen vor Augen gefĂŒhrt wird, ergeben sich neue Impulse, sich diese Schule als Lebensraum neu und noch einmal anders und vielleicht vertieft anzueignen, oder besser: anzuverwandeln, als einen Raum der eigenen Selbstwirksamkeit zu begreifen. Indem ihnen in Bild und Ton vorgefĂŒhrt wird, was sie tĂ€glich so und anders erleben, entstehen zugleich eine Distanz und eine NĂ€he zur schulischen Lebenswelt, die die Auseinandersetzung ĂŒber das Schulleben und die Weiterentwicklung schulischer Projekte enorm fördern und auf diese Weise selbst dazu beitragen, dass die Schule ein Resonanzraum sein kann. Wenn die Etablierung des SchĂŒlerfernsehens gelingt, kann es zum zentralen Resonanzmedium, zum Ort der SelbstverstĂ€ndigung, der Aneignung und auch der produktiven Auseinandersetzung werden. Das schließt gelegentlichen Streit und wechselseitige Irritationen nicht nur nicht aus, sondern es benötigt sie geradezu. Dissonanzen sind ein notwendiger Bestandteil allen Resonanzgeschehens, wenn sie produktiv aufgegriffen und kreativ transformiert werden. Hierin Ă€hnelt das SchĂŒlerfernsehen natĂŒrlich durchaus der inzwischen etwas in die Jahre gekommenen SchĂŒlerzeitung, mittels derer sich ĂŒber Jahrzehnte hinweg SchĂŒler die Schule zu ihrer Schule machten und noch immer machen, doch ist das Fernsehen gewiss das zeitgemĂ€ĂŸere Medium mit deutlich mehr Möglichkeiten und einem höheren ‚Stimulationswert‘.

SchĂŒlerfernsehen gelingt, wenn die Beteiligten – die SchĂŒler, die Mentoren und Tutoren und die involvierten LehrkrĂ€fte – es ihrerseits als ein Instrument zur Erschließung und kreativen Aneignung von Welt verstehen und wenn es die Arbeitsgruppe schafft, selbst einen kleinen Resonanzraum zu bilden. In diesem Raum begegnen SchĂŒler zunĂ€chst einander, dann aber auch den Lehrern, den Eltern, der Schulleitung und ebenso den technischen GerĂ€ten, mit denen sie hantieren, auf eine neue Weise, sie lernen, die Welt mit anderen Augen – durch die Kamera – zu sehen und zu hören und dadurch neu zu gestalten, und dieser Impuls kann sich dann durch die ganze Schule fortsetzen. Als Instrument der gemeinsamen und kreativen Weltaneignung ermöglicht das Schulfernsehen eine ganze Palette an unterschiedlichen Selbstwirksamkeitserfahrungen, die fĂŒr jede Art von Bildung essentiell sind: Wenn ihnen eine Produktion gelingt, dann haben die SchĂŒler ihre Schule ‚zum Sprechen‘ gebracht, haben sie Kamera und Mikrophone, Videobearbeitungsprogramme und Computer, Lichtquellen und vielleicht Drohnen und viele andere GerĂ€te einsetzen gelernt, und vielleicht haben sie auch Schulleiter und BĂŒrgermeister, Passanten auf der Straße und Nachbarn, BĂ€cker und GetrĂ€nkehĂ€ndler oder Politiker und Unternehmer dazu gebracht, sich auf ihre Schule einzulassen, sich mit ihr auseinanderzusetzen, die Lebenswelten in Beziehung zu setzen. Das SchĂŒlerfernsehen kann damit sogar noch eine weitere Funktion erfĂŒllen: Es beschrĂ€nkt sich durchaus nicht auf den Binnenraum der Schule, sondern macht die vielen FĂ€den sichtbar, mit denen diese Schule mit der ‚Welt da draußen‘ verknĂŒpft und verbunden ist, und es zeigt einen Weg, wie SchĂŒler an dieser Welt aktiv teilnehmen, sie mit verĂ€ndern und ein wenig sogar mit gestalten können. Nicht selten können auf diese Weise von der am Anfang vielleicht belĂ€chelten „Fernseh-AG“ Impulse ausgehen, die nicht nur das Schulleben intensivieren und verbessern, sondern den zentralen Platz der Schule im sozialen Leben der Stadt und des weiteren Umfeldes sichtbar werden lassen. Dann stiftet das SchĂŒlerfernsehen in der Tat veritable, vibrierende ResonanzdrĂ€hte zur Welt!

Prof. Dr. Hartmut Rosa



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